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Vienna Picks – Das Gasthaus Woracziczky

written by Julia 10. April 2020
Vienna Picks – Das Gasthaus Woracziczky

Where Viennese Cuisine meets childhood memories

Guys, we can’t hide our excitement any longer. We have been planning to publish this article since September 2019 but as many of you can relate, the last months has been quite busy. We tried to make the best of the shutdown in Vienna, re-organized our to-do lists and started to work on our beloved Foodie Talks-project again.

Marion, the owner of the well-known Gasthaus WORACZICZKY in the 5th district of Vienna, is our personal girl crush since day one. It was love at first sight, to be completely honest. Not only does she entertain her guests with her personal and really funny stories. She also really cares about her customers and was nominated “funniest gastronome of Vienna.” As you can imagine, for a reason. We had many questions and decided to be brave enough to ask her for an interview. And luckily, she said yes.

Let’s get social!

If you ask yourself now, where can I meet this beautiful and funny human being? Follow her on her personal Instagram account and also on the Gasthaus WORACZICZKY Instagram Account. Don’t miss her presenting the daily menu – it’s a real highlight.

And as our main target group for this interview will be our readers from Vienna, we decided to publish our first German article today. You can imagine, we are very excited. So, may we present:

Our pick of the month: Das Gasthaus WORACZICZKY

Julia: Liebe Marion, danke dass wir dich heute persönlich zu diesem Interview treffen dürfen. Wir beide sind ja schon sehr lange große Fans deines Lokals, dem Gasthaus WORACZICZKY. Ich starte auch gleich mit meiner ersten Frage. Deine Söhne sowie dein Ex-Mann führen das Mraz und Sohn – eines der Top-Restaurants Wiens. Du leitest seit über 10 Jahren das Gasthaus WORACZICZKY – liegt bei euch die Liebe zur Gastronomie in der Familie?

Marion: Nein, das würde ich jetzt so nicht sagen – dass ich in der Gastro gelandet bin war purer Zufall. Ich habe die Schule abgebrochen und mein erster Schritt war dann zum Novotel am Flughafen. Nicht ganz freiwillig, um ehrlich zu sein. Mein Papa hat damals gesagt: „Entweder du machst die Schule fertig oder du gehst arbeiten“ – ich habe mir dann dort eine Lehrstelle gesucht, dort die Lehre begonnen und auch diese dann (lacht) abgebrochen.

Julia: Und wie ist es dann für dich weitergegangen?

Marion: Mein nächster Schritt war dann in einem Hotel am Rennweg als Frühstückskellnerin. Danach habe ich in die Stadt gewechselt. In den Bettelstudenten, genau als er damals aufgesperrt hat. Danach hat es mich ins Bermudadreieck gezogen und dort habe ich dann den Papa von den Kindern kennen gelernt.

„Unaussprechlich, aber gut!“

Severin Corti, 15. Mai 2009

Julia: Seid ihr dann sofort gemeinsame Schritte in der Gastronomie gegangen?

Marion: Wir hatten zuerst ein gemeinsames Lokal im 9ten Wiener Gemeindebezirk. Dort beim Francesco an der Ecke, gegenüber vom WUK – das war unser Lokal damals. 2 oder 3 Jahre haben wir dort Eis produziert, Filmcaterings gemacht, also für Werbefilme – das war wirklich eine lustige Zeit. Markus Eltern hatten zu dieser Zeit ein Wirtshaus in Kagran und da hat dann das eine das andere ergeben. Wir haben dann relativ schnell alle Brücken im 9ten abgebrochen und dort im 20igsten angefangen zu arbeiten. So war mein Weg in die Gastronomie – genau genommen purer Zufall.

Julia: Wenn du heute deinem 16jährigen ICH drei Ratschläge für deinen Weg mitgeben dürftest – wie würden diese lauten?

Marion: Boah, das ist echt schwierig. Ich glaub ich würde echt nicht viel anders machen. Als Person bin eher so von der Sorte: “Ich mach das jetzt einfach und denk mir im Nachhinein nicht „Mah scheisse, hätte ich es besser anders gemacht.“ Ich würde tatsächlich auch die Schule nicht fertig machen. Ich wäre sonst sicher nicht da wo ich heute bin.

Die größte Belohnung am Wochenende? Wenn ich am Sonntag nicht auf die Uhr schauen muss.

Marion Jambor

Julia: Stichwort – Da wo du heute bist. Mittlerweile gibt es euch 10 Jahre und du hast dir, in einer Stadt mit wahnsinniger lukullischer Vielfalt einen Namen gemacht. Was würdest du sagen ist das Erfolgsrezept für ein Gasthaus wie das WORACZICZKY?

Marion: Ich für meinen Teil kann sagen, dass ich immer ich selbst dabei war. Gutes Personal ist natürlich auch ein großer Faktor, aber mir war und ist es immer wichtig gewesen selbst im Lokal zu stehen, auf die Gäste einzugehen und vor allem auch, dass man gute Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen langfristig hält. Die sind heutzutage rar geworden. Das ist alles andere als selbstverständlich und unbezahlbar. Mit denen steht und fällt, ob ein Wirtshaus oder Restaurant erfolgreich wird oder nicht. Ein wichtiger Punkt ist glaube ich auch noch das Thema Größenwahn. Damit meine ich, dass man sich nicht als etwas Besseres oder Anderes darstellen sollte als man ist. Wie mein Vater sagen würde: „Schuster, bleib bei deinen Leisten.“ (lacht)

Julia: Was ist für dich das Schönste an deinem Job?

Marion: Ehrlich? Dass man nie weiß was passiert. Jeder einzelne Tag ist anders. Du kannst und solltest schnell reagieren, man muss manchmal sehr schnell Entscheidungen treffen. Das finde ich cool, denn sie sind dann eben getroffen und aus. Beispielsweise ob ich in der Früh den Schanigarten aufsperre oder nicht – das ist manchmal richtig, manchmal falsch, aber so wird einem nie fad. Vor einer Woche ist uns zum Beispiel am Freitag im Mittagsgeschäft Wasser durch die Decke am Klo reingeronnen. Punktgenau in dem Moment als die Gäste das Lokal betreten haben. Lustigerweise werde ich dann in solchen Momenten extrem ruhig, weil sich aufregen bringt dann am Allerwenigsten. Und wenn ich ganz ehrlich bin taugt es mir schon wieder, weil es eine Herausforderung ist.

Das beste am Gastronomiejob? Dass man nie weiß was passiert. Jeder einzelne Tag ist anders.

Marion Jambor

Julia: Und was ist die Kehrseite an deinem Job als selbstständige Gastronomin?

Marion: Bürokratische Hürden sind manchmal wirklich anstrengend, aber auch da gilt es – einfach das Beste draus zu machen. Aber klar, ich arbeite von Montag bis Freitag jeden Mittag und jeden Abend. Da geht’s dann halt nicht, dass man auf die Vernissage von einer Frerundin geht oder unter der Woche Freunde trifft. Nichtsdestotrotz habe ich mich aber sehr gut damit arrangiert. Meine Freunde wissen das und oft kommen sie unter der Woche auf ein Glaserl vorbei. Das ist also alles nicht so dramatisch (lacht).

Julia: Deine Tage klingen wahnsinnig spannend, aber auch sehr anstrengend. Du stehst ja oft bis spät selbst im Lokal – wo oder wie findest du Ruhe?

Marion: Das ist total unterschiedlich. Manchmal hilft mir ein bisschen spazieren gehen, schlafen oder mich mit meinen Söhnen treffen und ein bisschen zusammensitzen. Ich gehe auch liebend gerne ins Museum, das entspannt mich wahnsinnig. Richtigerweise gibt es Tage, da ist man einfach nur müd – so wie letztes Wochenende. Ich habe am Sonntagnachmittag ein Buch gelesen und hab mich um 5 Uhr nachmittags ins Bett gelegt. Am allerschönsten ist es für mich, wenn ich am Wochenende nicht auf die Uhr schauen muss.

Wenn der Martin und ich die Karte machen ist es oft so, dass ich ganz einfache Sachen machen mag und der Martin es gerne ein bisschen ausgefallener mag. Er sagt nehmen wir Garnelen, ich sag nehmen wir saure Wurst – und wir finden dann immer einen guten Mittelweg.

Marion Jambor

Julia: Woher nimmst du die Ideen für eure sehr oft wechselnde Küche? Und wie würdest du eure Küche nennen?

Marion: Ich hätte jetzt gesagt Wiener Küche. Natürlich mit dem einen oder anderen Highlight oder Twist. Jedenfalls wenn der Martin (Küchenchef im WORACZICZKY – Anmerkung der Redaktion) und ich die Karte machen ist es oft so dass ich ganz einfache Sachen machen mag und der Martin es gerne ein bisschen ausgefallener mag. Er sagt nehmen wir Garnelen, ich sag nehmen wir saure Wurst – und wir finden dann immer einen guten Mittelweg. Oft kochen wir einfach auch Sachen, auf die wir selbst grad Lust haben – so wie jetzt grad Apfelspalten zum Beispiel. Oder so wie wir letztens als Mittagsmenü Dessert gemacht haben „Arme Ritter“. Brioche aufgeweicht in einer Zimt-Dotter-Milch Mischung und das dann einfach rausgebraten. Die Leute haben mich wochenlang nach dem Dessert gefragt, dass es jetzt sicher bald mal auf die Karte kommen wird.

Julia: Ich habe letztens auch überlegt wie ich eure Küche beschreiben würde. Ich glaube „Wiener Küche mit Kindheitserinnerungen“ trifft es auf den Punkt. Gerichte, die man früher mal bei der Oma gegessen hat und die vielleicht sogar ein bisschen in Vergessenheit geraten sind.

Marion: Das trifft es ziemlich auf den Punkt. Eine ältere Frau meinte zu mir das ist das Essen, das früher eben ganz schnell gehen musste.

Julia: Woher nimmst du deine Inspiration? Kochbücher, Pinterest, Austausch mit anderen Gastronomen?

Marion: Ich würd‘ sagen es ist eine Mischung aus allem. Oftmals lassen wir uns auch von unseren Gästen inspirieren. Ein Gast erzählt uns er hatte wo geröstete Blunzn mit Linsen und dann überlegen wir uns noch das gewisse Etwas dazu. Sowas machst dann aber nicht nur einmal, sondern immer wieder.

Julia: Was ist denn deine persönliche Lieblingsspeise?

Marion: Ich ess (lacht) am liebsten asiatisch. Was ist sonst auch jeden Tag essen könnte ist Leber. Gebratene Leber, gebackene Leber, geröstete Leber – und Innereien esse ich auch sehr gerne. Ich bin da glaube ich generell sehr vielfältig.

Der Name WORACZICZKY war, wenn man es rückwirkend betrachtet, unbeabsichtigt richtig gutes Marketing wie man das heute sagen würde. Oft kommen auch Leute und fragen wie ich das Konzept angelegt hab – und ich muss ihnen dann sagen: Es gibt kein Konzept.

Marion Jambor

Julia: Wie kam es zu dem unaussprechlichen Namen WORACZICZKY?

Marion: Eine gute Frage. Ich habe das Lokal in seinen Anfängen mit einem Partner aufgemacht – und der kommt tatsächlich aus dieser Familie. Hat natürlich eine Vergangenheit im Adel, aber an und für sich gar nichts mit mir zu tun. Klar, am Anfang haben uns die Leute gefragt ob das unser Ernst ist zwecks Aussprache. Jedenfalls, wenn man es genau nimmt, war es unbeabsichtigt richtig gutes Marketing wie man das heute sagen würde. Oft kommen auch Leute und fragen nach dem Konzept– und ich muss ihnen dann sagen: Es gibt kein Konzept.

Besser formuliert: Ich habe mir überlegt was ich mag und was nicht und dann, dass es eine gewisse Durchgängigkeit gibt. Also, dass wir immer von Montag bis Freitag offen haben, Samstag und Sonntag immer zu. Und nicht, nur weil einmal am Montag wenig los war, dann doch am Wochenende aufsperren. Ich mag es, dass gewisse Sachen einfach durchgängig sind und sich nicht alle paar Monate oder Jahre ändern.

Julia: Was war das Skurrilste, das dir in den letzten 10 Jahren passiert ist?

Marion: Wahnsinn, da gab es unzählige skurrile Momente. Da müssten wir jetzt sehr viel länger sitzen, um die alle zu erzählen. Beispielsweise die Marillenknödel, die wir immer nur am Abend auf der Karte hatten und dann Leute mittags vorbei gekommen sind wegen der Knödel. Ich wurde angemault warum es jetzt keine Knödel gibt wo der Anfahrtsweg so weit war. Unsere Gäste sind aber grundsätzlich toll, perplex bin ich aber natürlich trotzdem manchmal. Das gehört aber glaube ich dazu (lacht). Aja, eine richtig gute Geschichte habe ich tatsächlich. Ich habe eine Gruppe von Herren, die schon seit Jahren zum Essen kommt.

Einmal waren sie da und einer aus der Gruppe hat sich beschwert, dass seine Kollegen mehr am Teller haben als er. Passt, ich habe ihm in der Küche noch eine Portion machen lassen, noch größer natürlich als die erste. Aufgegessen hat er die zweite Portion, aber seit Jahren machen sich seine Freunde über ihn und diesen Abend lustig. Die haben ihn bis heute auf der Schaufel – ein Running Gag seit vielen Jahren. Manchmal muss man die Leute eben einfach mit ihren eigenen Waffen schlagen (lacht).

Julia: Das war ein sehr schöner Abschluss, liebe Marion! Vielen Dank für deine Zeit und wir freuen uns schon sehr auf viele weitere Abend im Gasthaus WORACZICZKY!

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